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Wissen & Hintergrund

Kohlenhydrate beim Hund: Was die Wissenschaft wirklich sagt

1. Juni 20267 Min. Lesezeit11.5k Aufrufe
Kohlenhydrate beim Hund: Was die Wissenschaft wirklich sagt
Symbolbild: KI-generiert

Kaum ein Thema in der Hundeernährung sorgt für mehr Diskussionen als Kohlenhydrate. Auf der einen Seite stehen Befürworter einer kohlenhydratarmen Ernährung, die sich an der natürlichen Beutetierkost orientieren. Auf der anderen Seite werben zahlreiche Hersteller von Fertigfutter mit wissenschaftlichen Studien, die belegen sollen, dass Hunde bestens an eine stärkereiche Kost angepasst sind. Doch was sagt die Wissenschaft wirklich? Und wie sicher sind die Schlüsse, die daraus gezogen werden?

Die vielzitierte Studie – und was sie wirklich aussagt

Im Jahr 2013 veröffentlichte der schwedische Forscher Erik Axelsson eine Studie, die seitdem in unzähligen Artikeln, Marketingbroschüren und sogar in Verbrauchertests als Beleg dafür angeführt wird, dass Hunde hervorragend mit Kohlenhydraten umgehen können. Die Untersuchung analysierte genetische Veränderungen, die im Laufe der Domestikation des Hundes stattgefunden haben – und stellte fest, dass bestimmte Gene, die mit der Kohlenhydratverdauung in Zusammenhang stehen, beim Hund häufiger vorkommen als beim Wolf.

Konkret geht es dabei um das Gen AMY2B, das für die Produktion von Amylase zuständig ist – einem Enzym, das Stärke aufspaltet. Während Wölfe dieses Gen in der Regel nur in zwei Kopien besitzen, wurden bei Hunden vier bis dreißig Kopien gefunden. Zudem zeigten Hunde eine um den Faktor 4,7 erhöhte Amylase-Aktivität im Blutserum. Die Schlussfolgerung der Studie: Hunde seien in höherem Maße als Wölfe in der Lage, Stärke zu verdauen, und diese Anpassung habe eine entscheidende Rolle bei der Domestikation gespielt.

Was klingt wie ein eindeutiger wissenschaftlicher Beweis, weist bei näherer Betrachtung jedoch erhebliche Lücken auf – Lücken, die in der öffentlichen Diskussion leider kaum thematisiert werden.

Was die Studie nicht berücksichtigte

Zunächst einmal wurde in der Studie nicht untersucht, wie die einzelnen Tiere ernährt wurden. Das ist deshalb so bedeutsam, weil die Amylase-Aktivität in der Bauchspeicheldrüse direkt von der Ernährung abhängt. Wer viele Kohlenhydrate frisst, produziert mehr Amylase – das gilt für Hunde genauso wie für Menschen und sogar für obligate Fleischfresser wie Katzen. Eine erhöhte Amylase-Aktivität bei Hunden, die mit stärkehaltigen Lebensmitteln gefüttert wurden, sagt daher wenig über eine grundlegende genetische Überlegenheit in der Stärkeverdauung aus.

Darüber hinaus stellt sich eine historische Frage: Wann genau hätten Hunde die Gelegenheit gehabt, sich an eine stärkereiche Ernährung anzupassen? Die Domestikation des Hundes begann schätzungsweise vor 20.000 bis 40.000 Jahren – archäologische Funde belegen dies eindrucksvoll. Der sogenannte Übergang zur Sesshaftigkeit und damit die Anfänge des Ackerbaus – also die Quelle großer Mengen an stärkehaltigen Getreideprodukten – fanden jedoch erst vor rund 12.000 Jahren statt. Es gab also über Jahrtausende hinweg schlicht keine großen Mengen an Kohlenhydraten, an die sich Hunde hätten anpassen können.

Die Folgestudien – und warum sie kaum jemand kennt

Was viele nicht wissen: Die Ergebnisse der vielzitierten Studie von 2013 wurden bereits 2014 und erneut 2016 erheblich relativiert – und zwar unter Beteiligung von Erik Axelsson selbst.

In der Studie von 2014, geleitet von Maja Arendt, wurde untersucht, wie die Kopienzahl des AMY2B-Gens mit der tatsächlichen Amylase-Aktivität zusammenhängt. Das Ergebnis war überraschend: Die Kopienzahl schwankt innerhalb der Hundepopulation erheblich – und zwar in Abhängigkeit von der Rasse und dem individuellen Tier. Samoyeden etwa wiesen im Durchschnitt nur 6,8 Kopien des Gens auf, während Deutsche Schäferhunde durchschnittlich 15,7 Kopien besaßen. Auch innerhalb einer Rasse gab es deutliche Unterschiede. Diese Varianz war in der ersten Studie schlicht ignoriert worden.

Noch deutlicher wurde eine weitere Studie aus dem Jahr 2016, ebenfalls von Arendt und Axelsson. Hier zeigte sich, dass bei ursprünglichen Hunderassen teilweise nur ein oder zwei Kopien des AMY2B-Gens vorhanden sind – also genauso viele wie beim Wolf. Gleichzeitig fand man Wölfe, die mehr als zwei Kopien des Gens besaßen. Die vermeintlich klare Trennlinie zwischen Hund und Wolf in Bezug auf die Stärkeverdauung löst sich damit in Luft auf.

Hunde haben also nicht generell eine größere Kopienzahl von Genen zur Stärkeverdauung als Wölfe. Die Fähigkeit zur Kohlenhydratverdauung ist individuell verschieden und hängt stark von Rasse und Einzeltier ab.

Was Gene über Ernährung aussagen – und was nicht

Selbst wenn ein Hund mehr Kopien des AMY2B-Gens besitzt, lässt sich daraus nicht ableiten, dass er auch mehr Kohlenhydrate braucht oder vertragen sollte. Gene können aktiviert und inaktiviert werden – der Körper schaltet ab, was er nicht benötigt. Eine genetische Ausstattung zeigt lediglich, dass eine Anpassung möglich ist, nicht dass sie notwendig oder sinnvoll ist.

Ein anschauliches Beispiel: Hunde sind grundsätzlich in der Lage, auch Rohrzucker zu verdauen. Ein 30 Kilogramm schwerer Hund kann bis zu 150 Gramm Zucker täglich verarbeiten. Trotzdem käme niemand auf die Idee, seinem Hund täglich zehn Esslöffel Zucker zu geben. Die Fähigkeit zur Verdauung ist kein Argument für die Notwendigkeit oder gar die Empfehlung, diese Stoffe in großen Mengen zu füttern.

Warum die Folgestudien kaum beachtet wurden

Es lohnt sich, kurz innezuhalten und zu fragen: Warum kennt fast jeder die erste Studie von Axelsson aus 2013, aber kaum jemand die relativierenden Folgestudien aus 2014 und 2016? Ein möglicher Grund ist die Reichweite der Veröffentlichungsmedien – die erste Studie erschien im renommierten Fachjournal Nature, während die Folgeuntersuchungen in spezialisierten Fachzeitschriften veröffentlicht wurden.

Ein weiterer Grund dürfte jedoch pragmatischer Natur sein: Hersteller stark kohlenhydrathaltiger Fertigfutter konnten die erste Studie hervorragend nutzen, um ihren hohen Getreideanteilen eine wissenschaftliche Legitimation zu verleihen. Die relativierenden Folgestudien passten schlicht nicht mehr ins Bild – und wurden entsprechend wenig kommuniziert. Wer aufmerksam Marketingmaterial für konventionelles Trockenfutter liest, wird die erste Studie häufig finden, die Folgestudien jedoch so gut wie nie.

Was das für die Fütterung bedeutet

Für Hundehalter, die sich ernsthaft mit der Ernährung ihres Vierbeiners beschäftigen, ergeben sich aus dieser Studienlage einige wichtige Schlussfolgerungen:

  • Individuelle Unterschiede ernst nehmen: Nicht jeder Hund ist gleich. Rasse, Genetik und individuelle Konstitution spielen eine erhebliche Rolle dabei, wie gut ein Hund Stärke verarbeiten kann.
  • Fähigkeit ≠ Bedarf: Nur weil ein Hund Kohlenhydrate verdauen kann, bedeutet das nicht, dass er sie in großen Mengen braucht oder dass sie ihm gut tun.
  • Studien im Kontext lesen: Wissenschaftliche Studien haben immer einen bestimmten Untersuchungsfokus. Ergebnisse lassen sich nicht einfach auf andere Fragestellungen übertragen – auch wenn das im Marketing gern gemacht wird.
  • Auf die Zeichen des Hundes achten: Verträglichkeit, Stuhlkonsistenz, Fellqualität und allgemeine Vitalität sind wichtige Indikatoren dafür, ob eine Ernährungsweise dem individuellen Hund bekommt.

BARF als artgerechte Alternative

Genau hier setzt die Philosophie von Nordic Barf an. Beim biologisch artgerechten Rohfüttern – kurz BARF – steht die natürliche Ernährungsweise des Hundes im Mittelpunkt. Statt auf große Mengen Stärke zu setzen, liefern hochwertige Proteinquellen die Basis: hochwertiges Muskelfleisch wie Rindfleisch, Lammfleisch, Pferdefleisch oder Hühnerfleisch deckt den Energiebedarf auf eine Weise, die dem Verdauungssystem des Hundes entspricht. Ergänzend dazu liefern Innereien wie Rinderleber, Rindernieren oder Hühnerherzen essentielle Mikronährstoffe.

Gefriergetrocknetes BARF von Nordic Barf hat dabei einen entscheidenden Vorteil: Alle wertvollen Nährstoffe bleiben durch den schonenden Trocknungsprozess erhalten, während die Handhabung einfach und hygienisch ist. Produkte wie die Barf Komplett Taler oder die Lamm Mix Taler bieten eine ausgewogene Zusammensetzung aus Fleisch, Pansen und Knorpel – ganz ohne unnötige Füllstoffe.

Auch Fisch spielt in einer artgerechten Hundeernährung eine wertvolle Rolle: Lachsfilet, Sprotten und Thunfisch liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren, die Entzündungen hemmen, das Fell stärken und die Gehirnfunktion unterstützen.

Fazit: Differenzierung statt Pauschalisierung

Die Frage, ob Hunde Kohlenhydrate verdauen können, lässt sich nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Die Wissenschaft zeigt klar: Es gibt erhebliche individuelle Unterschiede zwischen Hunden – abhängig von Rasse, Genetik und Haltungsbedingungen. Aus der genetischen Ausstattung eines Hundes lässt sich keine allgemeine Empfehlung für eine kohlenhydratreiche Ernährung ableiten.

Wer seinem Hund etwas Gutes tun möchte, setzt auf eine Ernährung, die dem natürlichen Bedarf des Tieres entspricht: proteinreich, hochwertig und möglichst naturbelassen. BARF – insbesondere in der praktischen, gefriergetrockneten Form – bietet hier eine überzeugende Antwort auf die Frage, wie artgerechte Hundeernährung im Alltag funktionieren kann.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Bei konkreten Fragen zur Ernährung deines Hundes empfehlen wir, einen Tierarzt oder Ernährungsberater für Hunde zu konsultieren.

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